Auf Entdeckungstour durch Helsinki Teil 2

Gespannt bin ich auf diesen nächsten Tag und die nächste Entdeckungstour durch Helsinki. Unser Plan für heute klingt nämlich eher nach gähnender-Langweile-Programm: Ein Museum in einem alten Gebäude mit vielen noch älteren Bildern! Dass dieser Spaziergang aber am Ende überhaupt nicht langweilig ist, sondern jede Menge Überraschungen parat hält, merke ich sofort.

 

Helsinki-City-Bikes
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Die gelben City-Bikes machen gute Laune!

Wir laufen ein paar Schritte von unserer Unterkunft und stehen vor einer Reihe quietsch-gelber Fahrräder. Es sind die neuen Helsinki-City-Bikes! Vor einigen Jahren gab es schon einmal einen Versuch, überall in der Stadt Fahrräder zu verleihen, aber schnell waren viele kaputt, landeten im Wasser oder wurden einfach nicht ordnungsgemäß zurückgebracht. Die Stadt lernte daraus und ließ ein System entwickeln, bei dem man sich vorab registrieren muss. Das ist ziemlich simple und geht online in verschiedenen Sprachen. Ich stelle dir hier den direkten Link dazu zur Verfügung, schau‘ es dir einfach mal an: City-Bikes  Registriert hat Karita uns schon vorab, also können wir gleich zur nächsten Fahrradstation. Wir suchen uns die schönsten Räder raus, geben die ID und PIN ein, lösen die Räder aus dem Ständer und schon kann es

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Keine Angst -auf der Rückseite steht die Beschreibung auf Englisch!

losgehen.  Die Teile machen einen guten Eindruck, es gibt vorne einen Korb und der Sattel ist individuell einstellbar, da hat die Stadt sich echt Mühe gegeben. Gut gelaunt (das liegt wahrscheinlich allein schon an der Farbe der Räder) düsen Karita und ich los in Richtung Zentrum.

 

Kuppi ja Muffini

An der Ecke Eerikinkatu/Annankatu stellen wir unsere Fahrräder in der Bike-Station wieder ab und laufen eine Straßenecke weiter in die Kalevankatu, genau gesagt in das Café Kuppi ja Muffini.

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lecker!

Der Name ist hier Programm und für Mädels, aber auch für süße Jungs, ein Paradies! Die Auswahl an Muffins und Cupcakes ändert sich ständig, Karita nimmt einen mit Kokos, und mich lacht der mit der Kirsche oben drauf an. Tipp: Im Café, wie so oft in Finnland, kann man übrigens auch etwas zu Mittag essen. Die Auswahl ist nicht groß, aber was wir auf den Nachbartischen entdecken, sieht lecker aus und riecht auch sehr gut. Hätten wir heute nicht noch was auf dem Programm, wir würden glatt noch eine Stunde hocken und quatschen. Aber wie sag‘ ich immer so gerne „Wir sind hier ja nicht zum Vergnügen!“. Auf geht’s zum Museum!

 

Wuff!

Wir laufen die Kalevankatu hoch Richtung Kaufhaus Stockmann und weiter auf der Keskukatu und fallen -zum Glück nur bildlich gesprochen- über einen riesigen orangenen Luftballon-Hund! Wuff!

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Wuff!

Der Kamerad steht da seit ein paar Tagen und weist auf eine neue Ausstellung über Eero Aarnio im Design Museum hin. Eero Aarnio sagt dir nichts? Nicht schlimm, sein bekanntestes Werk kennst du 100%, wenn du zumindest ab und zu das Zweite Deutsche Fernsehen schaust. Es ist der kultige Drehsessel, in denen Klaus Kleber und Co. sitzen und sagen „mit dem Zweiten sieht man besser!“. Das Design-Museum lassen wir aber für heute aus und gehen weiter, am Bahnhof vorbei ins Ateneum.

 

Ateneum

Das Ateneum, das größte und bekannteste Kunstmuseum Finnlands, sollte eigentlich auf jedem Helsinki-Trip dabei sein.

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Von innen und außen sehr beeindruckend!

Karita erzählt mir beim Reingehen, dass sie allein in diesem Jahr schon sechs Mal dort war -wow! Dort gibt es eine beeindruckende Ausstellung über die Geschichte der finnischen Kunst. Ein Muss für jeden, der Finnland nicht nur wegen seiner schönen Landschaft mag. Von Helene Schjerfbeck bis hin zu Akseli Gallen-Kallela sind alle bekannten und weniger bekannten Künstler vertreten. Aber auch Werke von Le Corbusier und Edvard Munch sind zurzeit ausgestellt. Die Zeit vergeht wie im Flug, dabei habe ich das Gefühl, ich könnte hier Stunden verbringen. Aber irgendwann ist auch der interessierteste Kunstliebhaber erschöpft. Wir wollen langsam wieder raus an die frische Luft. Nachdem wir noch vom Muffin und Cupcake ein schlechtes Gewissen haben, laufen wir heldisch am Café im Museum vorbei und verlassen das Ateneum. Tschüss imposantes Gebäude -wir haben uns nicht zum letzten Mal gesehen!

 

Bahnhof

Draußen angekommen, scheint noch immer die Sonne. Der Himmel ist stahlblau mit einigen Wolken, für mich DAS Bilderbuchwetter Finnlands! Den Eingang vom Ateneum im Rücken laufen wir links Richtung Bahnhof und schauen ob die beiden berühmten Laternenträger noch ihren Job machen. Tun sie -was nicht überraschend ist! Karita will mir noch etwas Kunst zeigen und steuert mich direkt in den Burger King, ich denke mir „so ein bisschen spinnen die Finnen vielleicht schon oder?“ Während ich meine Gedanken bei mir lasse, zeigt Karita nach oben. Ich schaue auf ein riesiges Bild von Eero Järnefelt.

Eerno im Bahnhof
Fast-Food und Kunst -nicht immer im Widerspruch!

Wow, wenn das mal nicht richtig cool ist. Unten gibt’s Fastfood -oben Kunst, ich bin beeindruckt! Übrigens ist Eero Järnefelt der Schwager von Jean Sibelius gewesen, so klein ist die Welt. Beim Besuch des Cafés im Krankenhaus Teil 1 war es der Bruder von Jean Sibelius, diesmal sein Schwager.

 

1-Personen-Parkbank

Den Bahnhof hinter uns gelassen, laufen wir am Kiasma, Museum für zeitgenössische Kunst, vorbei durch einen Park zu und ich muss plötzlich lauthals lachen! Wir stehen im Pikkuparlamentin Puisto an der Ecke Mannerheimintie/Arkadiankatu und ich sehe die komischsten Parkbänke, die ich je gesehen habe. Genau genommen sind es gar keine Bänke, sondern individuelle Stühle.

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Hier rückt dir niemand auf die Pelle!

Kennst du die Serie finnish Nightmares? Als ich diese Metallgeflechte sah, musste ich sofort daran denken. In finnish Nightmares beschreibt die Comic Figur Matti Situationen, die für Finnen total unangenehm sind. Also Begebenheiten, die für uns Mitteleuropäer völlig normal sind. Beispielsweise das: Matti sitzt im Bus und plötzlich setzt sich jemand neben ihn und -ein wahrer Albtraum- will sich auch noch mit ihm unterhalten.

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(c) finnish nightmares

Um diese Situationen von Anfang an zu vermeiden, gibt es also im Pikkuparlamentin Park diese 1-Personen-Bänke -kein Witz, schau‘ dir den Fotobeweis an! Zwischen den Bänken ist zusätzlich jede Menge Platz, so rückt dir niemand auf die Pelle. Typisch Finnisch! Typisch Finnisch ist übrigens auch, dass ich genau weiß, dass alle Finnen sich gerade wundern, warum ich darüber überhaupt ein Wort verliere.

 

Jazz-Club Storyville

Nachdem ich mich wieder gefangen habe, steuert mich Karita vorbei am neuen Konzerthaus, (ich glaube sie wollte mich dringend von diesen Bänken wegbringen!) in dem legendären Jazz-Club Storyville in der Museokatu. Das ist eine nette Idee, aber, das kann Karita und du jetzt nicht wissen, ich mag keinen Jazz. Wahrscheinlich denkst du jetzt, ich bin ein Banause, aber Geschmäcker sind einfach unterschiedlich, und das ist auch gut so. Aber, ja hier muss wieder ein Aber kommen, man muss dort nicht nur wegen der Musik hin.

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Hier kann man nicht nur Jazz hören!

Der Club hat nämlich eine wunderschöne Terrasse, die im Sommer täglich geöffnet ist. Livemusik fängt erst um 19 Uhr an, das gibt mir genug Zeit, mit Karita ein schönes Glas Weißwein zu trinken und uns etwas zum Essen zu bestellen. Im Jazz-Club gibt’s nämlich leckere Südstaatenküche! Ich verspeise eine Portion Shrimps Bayou und stelle unauffällig meinen Smartphone-Wecker auf 18.50 Uhr…..

 

 

Im nächsten Teil geht’s endlich ans Wasser. Mal schauen, mit wem wir diesmal aus der Sibelius Familie zu tun haben.

 

Übrigens, einige haben nach meinem ersten Post schon Karita buchen wollen. Na ja, so einfach geht das natürlich nicht. Aber in der Tat hat Karita sich überlegt, solche individuellen Spaziergänge nicht nur für Freunde anzubieten, sondern für alle Interessierte, sie liebt einfach ihr Helsinki. Wenn du diesen Link anklickst, kannst du direkt Kontakt zu Karita aufnehmen: Jalanka

 

 

 

 

 

Fotos © Karita Brand, Storyville und Creative Commons
Comic © FinnishNightMares

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