Die ehrliche finnische Küche

 

Weißt du was ich am finnischen Essen so liebe?  Es ist so ehrlich wie Finnland selbst. Während durch alle Gourmetzeitschriften jahrelang von der „Nordic Cuisine“ geschwärmt wurde und Scharen nach Kopenhagen gepilgert sind, hörte man von der finnischen Küche nichts. Einfach nichts! Starköche aus Schweden, Dänemark und Norwegen wurden überall zitiert, schrieben Kochbücher und waren im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Aber kennst du einen einzigen bekannten finnischen Koch? Nein? Ich auch nicht. Woran liegt das also, dass niemand von der guten finnischen Küche spricht? Weil schmecken tut sie definitiv! Ich denke, dafür muss man ein bisschen in die finnische Seele schauen.
Als ich das erste Mal meinen Fuß auf finnischen Boden setzte, das ist mittlerweile sieben Jahre her, verbrachte ich meinen ersten Urlaub in einem Mökki (finnisch für Ferienhaus), ganz klassisch am See mit Saunahäuschen, Ruderboot und Feuerstelle. Finnen lieben ihre Ferienhäuser. Manchmal habe ich den Eindruck, erst dort können sie Mensch sein. Es wird einfach gelebt und das möglichst den ganzen Sommer über. Die Nächte sind hell, man geht in die Sauna, hüpft in den See, geht fischen, sammelt Blaubeeren und Pilze. Ganz selten, dann wenn die Vorräte zur Neige gehen, geht’s zum Einkaufen in die Zivilisation. All-inklusive oder Vollpension ist Fehlanzeige.

Das nächste Restaurant, das den Namen verdient, ist oft hunderte Kilometer entfernt. Und das finden die meisten auch absolut gut so. Das heißt: Selbst versorgen! Und genauso machten wir das damals auch. Dabei lernte ich schnell, dass es in Finnland nicht viel benötigt, um lecker zu kochen.

Gerichte sind oft sehr einfach gehalten, wobei man einfach nicht mit schlecht oder nicht schmackhaft verwechseln darf. Gute Grundzutaten, wie ein frisches Stück Fisch (idealerweise natürlich selbstgefangen, was mir ehrlich gesagt bis jetzt noch nie gelungen ist), etwas Salz, Zitronenpfeffer, Butter ggf. Dill, kleine finnische Kartoffeln und fertig ist ein kulinarischer Höhepunkt. Das kann jeder der sich mehr zutraut als Wasserkochen und es schmeckt zum Niederknien!

Dabei spielt eine Sache eine wichtige Rolle: Ich weiß auch nicht genau woran das liegt, aber irgendwie schmecken in Finnland gewachsene Lebensmittel besser, intensiver. Man muss Gemüse, Fisch und Fleisch nicht stundenlang „pimpen“, sie benötigen außer etwas Butter oft gar keine aufwendigen Soßen oder ähnliches.

Eine gute Bekannte von mir, eine Finnin, die seit über vierzig Jahren in Deutschland lebt, erklärte es mir mal an der Kartoffel: Die finnische Kartoffel braucht so viel Energie und Zeit, um überhaupt reif zu werden, die schießen nicht so in Kraut und das schmeckt man einfach.

 

 

 

 

Foto: Muurikka im Einsatz © #FinnlandBlog

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3 Kommentare

  1. kann deinen eindruck nur bestätigen.
    für mich gibt es nichts besseres als echte finnische blaubeeren. ein hochgenuss.

    oder Karelian piirakka 🙂 einfach und doch genial. da brauche ich das ganze gepimpe nicht

  2. Beim Googeln konnte ich zumindest den finnischen Starkoch Samuli Wirgentius vom Ravintola „Postres“ in Helsinki, Esplanadi 8 finden. Dieses Restaurant verweist bereits seit 2008 auf einen Michelin-Stern.