#Finnland100: Helsinki zur Zarenzeit Teil 1

Die Republik Finnland feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. #FinnlandBlog möchte dies zum Anlass nehmen und dich in eine Zeit vor der Unabhängigkeit entführen. Im ersten Teil gehen wir auf Spurensuche in Helsinki während der Zarenzeit.

 

Nach Schweden kam Russland

Bevor es in Finnland 1917 zur Unabhängigkeit kam, war Finnland viele Jahrhunderte ein Teil Schwedens, bis es infolge mehrerer russisch-schwedischer Kriege im Jahr 1809 an Russland abgetreten werden musste. Während dieser Zeit wurden in Helsinki viele markante Gebäude erbaut. Manche sind heute aus dem Stadtbild nicht wegzudenken, manche sind eher versteckt oder nur selten zu besichtigen. Wir nehmen dich mit auf Entdeckungstour!

 

Helsinki wird Hauptstadt Finnlands

Aber bevor wir dich mit auf die Reise nehmen, noch ein paar ganz schnelle geschichtliche Fakten!

Das an der Westküste liegende und schwedisch geprägte Turku war Jahrhunderte lang die Hauptstadt Finnlands. 1812 beschloss der Zar, dass die Hauptstadt strategisch zentraler liegen sollte und wählte Helsinki aus. Zu dieser Zeit hatte der Ort gerade einmal knapp 5.000 Einwohner!

In der Zarenzeit wuchs Helsinki aber schnell zur größten Stadt Finnlands heran. Die Epoche als Großfürstentum Russlands dauerte bis zum Jahr 1917 an, als Finnland die staatliche Unabhängigkeit erlangte -der Grund, warum wir dieses Jahr ausgiebig feiern!

Das ist die erste Etappe!
Auf zur Erkundungstour

Noch heute gibt es in Helsinki „typisch russische Relikte“ aus der Zeit zwischen 1809 und 1917 zu sehen. Mit einem Spaziergang, der als Rundweg ausgelegt ist, lässt sich ein Teil davon erkunden. Also bequeme Schuhe anziehen, Kamera einpacken –Los geht’s zur ersten Etappe!

Stein der Zarin

Ein günstiger Startpunkt für den Rundgang ist der Marktplatz am Hafen. Mittig auf dem Platz befindet sich ein Obelisk, der das erste öffentliche Denkmal der Stadt war. Er ist als Stein der Zarin bekannt und wurde zu Ehren eines Besuchs der russischen Zarin Alexandra Fjodorowna (1798-1860, geb. Charlotte von Preußen) und ihres Gatten Zar Nikolaus I. im Jahr 1833 errichtet. Gekrönt wird der Obelisk vom goldfarbenen russischen Doppeladler.

Russischer Doppeladler
Richtung Osten nach Katajanokka

Vom Marktplatz aus geht man nun in östliche Richtung über den Kanal, der den Nord- mit dem Südhafen verbindet, auf die Halbinsel Katajanokka.

Uspenksi und Aalto-Gebäude

Das eckige weiße Gebäude ist übrigens ein Aalto-Bau aus dem Jahr 1962, in dem heute die Hauptverwaltung des größten Papierunternehmens Finnlands untergebracht ist.

Der westliche Teil Katajanokkas wurde um 1900 bebaut. Hafenviertel und Wohngebiet wurden dabei strikt getrennt. Das Wohngebiet ist flächendeckend ein architektonisches Meisterwerk der finnischen Jugendstilperiode. Auf dem Weg dorthin geht man entlang der Straße Katajanokanlaituri mit den ehemaligen Zoll- und Lagerhäusern in roter Backsteinbauweise.

Stadtteil Katajanokka
Uspenki-Kathedrale

Das markanteste Zeichen Katajanokkas ist aber die orthodoxe Uspenski-Kathedrale, die mit ihren goldenen Zwiebeltürmchen schon von Weitem sichtbar und das nächste Ziel des Rundgangs ist. Sie befindet sich auf der Kanavakatu 1, gleich gegenüber des Aalto-Gebäudes.

Uspenski-Kathedrale

Die Kathedrale wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einer Felsenkuppe nach Entwürfen des russischen Architekten Alexej Gornostajew im russisch-byzantinischen Stil errichtet und im Jahr 1868 geweiht. Der Name Uspenski-Kathedrale kommt aus dem Russischen und bedeutet Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Schon zur Zeit der Errichtung war sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes ein Symbol der russischen Herrschaft über Finnland, heute noch ist sie die größte orthodoxe Kirche jenseits des östlichen Europas. Tipp: Von der Terrasse aus hat man einen schönen Blick auf den Hafen und den Kern Helsinkis.

Blick auf den Hafen von der Uspenski-Kathedrale

 

Rahapajanku Nr. 3

Man verlässt den Kirchplatz durch das Haupttor in östliche Richtung und befindet sich nun auf der Rahapajankatu, der man folgt. Auf der anderen Seite des Tove Janssons Park, befindet sich die Hausnummer 3, dort befindet sich das älteste russische Restaurant Helsinkis, dem Restaurant Bellevue. Es wurde noch zu zaristischer Zeit im Jahr 1917 gebaut und bietet bis heute Klassiker der russischen Küche auf hohem Niveau. Selbst war ich bis dato nicht dort essen, die Website verspricht aber hochkarätiges (das soll aber keine Werbung sein!).

Als wäre der Zar gerade mal nur kurz um’s Eck!

 

 

→ Im nächsten Teil erfährst du wo in Helsinki zur Zarenzeit Knastbrüder einsaßen und die Hautevolee Partys feierte!

 

Gastbeitrag von Frank Rehag

 

 

Hallo! Mein Name ist Frank, hauptberuflich bin ich Konstrukteur für Anlagen zur Rohrherstellung, nebenberuflich Finnlandverfallener. Da keine verwandtschaftliche Vorbelastung bezüglich Finnland besteht, muss das Virus irgendwann von außen zugeflogen sein, vermutlich schon während der Wiegenzeit. Von A wie Apulanta bis Z wie Zombie und der Geisterzug (Film von Mika Kaurismäki) interessiert mich so gut wie alles, was von dort kommt. Neben dem Betreiben einer eigenen Netzpräsenz finnland-tour.de (hauptsächliche Inhalte sind Buchbesprechungen zu Büchern finnischer Autoren in deutscher Übersetzung) schreibe ich in losen Abständen Artikel für die Zeitschrift eines Deutsch-Finnischen Freundschaftsvereins (hier hauptsächlich CD-Rezensionen) … und nun auch als Gast für #FinnlandBlog

 

Fotos © Frank Rehag, Restaurant Bellevue
Karte © openstreetmap (wackeligen Zeichen von #FinnlandBlog)

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