Interview mit dem Übersetzer und Autor Stefan Moster

Der Name sagt dir vielleicht nichts auf Anhieb etwas, aber ich wette mit dir, dass du schon ein Buch mit seinem Namen im Einband gelesen hast! Denn Werke von Hannu Raittila, Ilkka Remes, Selja Ahava, Markku Ropponen oder auch Olli Jalonen wurden alle von Stefan Moster aus dem Finnischen ins Deutsche übersetzt. Mittlerweile ist der bekannte Übersetzer auch selbst zum Autor geworden. In einem Interview erzählt Stefan wie er zu Finnland kam, was ihn antreibt und vieles mehr.

Hallo Stefan, warum Finnland?

Einerseits Zufall ja jugendliche Willkür. Andererseits das Interesse, Europa vom Rand aus zu betrachten und das Gehirn mit einer Sprache zu konfrontieren, die anders tickt als diejenigen, mit denen es bis dahin zu tun hatte.

 

Wie wird man Übersetzer?

Indem einem jemand, der sich auskennt, sagt, dass man eine Begabung dafür hat. Weil man etwas mit Literatur machen will, es aber nicht gleich wagt, eigene Bücher zu schreiben.

Was ist die größte Herausforderung beim Übersetzen von finnischer Literatur?

Der Abstand zwischen den Sprachen. Man kann sich nicht an Konstruktionen der Ausgangssprache orientieren. Man muss alles verstehen, dann aber komplett vergessen, wie es formuliert ist und es in eine deutsche Form bringen, der nichts mehr von der finnischen Struktur anhaftet.

 

Gibt es bestimmte Autoren die Sie am liebsten übersetzen?

Alle, bei denen erkennbar ist, dass sie sich überlegen, wie sie etwas formulieren. Alle, die begriffen haben, dass es auf Zwischentöne und Nuancen ankommt. Und dass der Ton die Musik macht.

Wie gut kennen Sie die Autoren persönlich? Sind Sie im Austausch während einer Übersetzung?

Unterschiedlich. Die meisten kenne ich. Einige kenne ich gut, andere überhaupt nicht. Im letzteren Fall stelle ich mich zu Beginn der Übersetzungsarbeit aus Höflichkeit vor. Der Austausch beschränkt sich in der Regel auf das Klären der allerletzten offenen Fragen bevor die Übersetzung fertig ist.

 

Wie lange dauert es beispielsweise einen Krimi von Hannu Raittila oder einen Roman von Selja Ahava zu übersetzen?

Das ist Berufsgeheimnis. Außerdem spielt es keine Rolle. Hauptsache, die Übersetzung taugt etwas.

 

Sie schreiben ja auch selbst Bücher, wie kam es dazu?

Ich wollte immer schreiben, erlaubte es mir aber nicht, weil zu anmaßend. Stattdessen entschied ich mich für die dienende Tätigkeit des Übersetzens. Bis ich begriff, dass es in psychologischer Hinsicht sinnvoll ist, diese Haltung zu überwinden und das zu tun, was man wirklich will. Außerdem schließen sich beide Tätigkeiten nicht aus.

 

Anfang nächsten Jahres leiten Sie das Seminar Finnische Übersetzerwerkstatt am Nordkolleg in Rendsburg. Was reizt Sie daran mit Nachwuchsübersetzter zusammenzuarbeiten?

Ich habe als Anfänger selbst die Erfahrung gemacht, wie wertvoll die Hilfe einer erfahrenen Kollegin ist. Darum möchte ich als inzwischen erfahrener Übersetzer etwas von meinem Wissen weitergeben. Gewissermaßen aus Dankbarkeit.

Außerdem möchte ich dazu beitragen, dass gute Übersetzungen entstehen. Die sind nämlich keineswegs die Regel. Und wenn ich etwas dafür tun kann, dass junge KollegInnen gute Arbeit machen, erfüllt mich das mit großer Zufriedenheit.

Schließlich empfinde ich es als bereichernd, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten und deren Sicht der Dinge kennenzulernen.

 

Was werden wir außerdem von Ihnen im Jahr 2018 lesen dürfen?

Da muss ich jetzt nachdenken… Wenn ich mich recht erinnere, wird zumindest ein Roman von Johanna Sinisalo in meiner Übersetzung erscheinen. Mein nächster eigener Roman wird erst Anfang 2019 erscheinen.

 

Was lesen Sie privat? Oder sind Sie froh einfach mal einen Film zu schauen?

Ich schaue gerne Filme, bevorzugt im Kino (habe keinen Fernseher), aber ich lese immer etwas, oft mehrere Bücher gleichzeitig. Ziemlich gemischtes Programm, derzeit etwa Kolumnen von Peter Bichsel, das neue Buch von Peter Handke sowie auf Englisch A Little Life von Hanya Yanagihara. Plus ein Buch über Schuberts Winterreise und Erzählungen von Kathrin Mansfield…

 

Und meine letzte Frage, die ich allen meinen Interviewpartnern stelle: Finnlandia oder Koskenkorva?

Keines von beiden, sondern Whisky oder Calvados.

 

 Vielen Dank für das Interview!

 

 

Titelfoto © Mathias Bothor

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