Mein (Retro)-Interview mit Sunrise Avenue

Anlässlich des gerade neu erschienenen Albums „Heartbreak Century“ von Sunrise Avenue, habe ich -quasi als kleines Schmankerl- mein Interview mit Samu und Riku aus dem Jahr 2009 herausgekramt. Ich hatte beim erneuten Lesen wirklich meine Freude und sehr gute Erinnerungen wurden wach. Ich hoffe daher, dass du genauso viel Spaß beim Lesen hast…. Der Trip in die Vergangenheit startet jetzt!

 

Am Samstag, den 4. Juli 2009 (also vor über acht Jahren!) hatte ich die besondere Ehre, ein Interview, mit den damals noch relativ unbekannten und sehr nahbaren, Samu Haber und Riku Rajamaa von der finnischen Band Sunrise Avenue zu führen. Die Band war damals der Hauptakt des SWR3 Seefest am Max-Eyth-See in Stuttgart. Es war das erste Interview was ich je geführt habe, entsprechend nervös war ich, was sich im Nachhinein als völlig unnötig herausstellte.

Schon auf dem Weg zum Interview traf ich -vor dem Gebäude in der Sonne liegend- Samu, Riku, Sami und Raul. Nachdem ich sie auf Finnisch begrüßte, war das Eis ruck zuck gebrochen. Danach ging es in einer wilden Sprachmixtur weiter. Schon damals überraschte Samu mit recht guten Deutschkenntnissen.

 

Seht ihr euch als Repräsentanten Finnlands?

Samu: Auf jeden Fall! Gestern auf dem Flug von Helsinki nach Deutschland haben wir Alex Stubb (Anmerkung: der damalige Minister für auswärtige Angelegenheiten Finnlands) getroffen und uns genau über dieses Thema unterhalten. Er kennt uns, weil er auch schon auf Konzerten von uns gewesen ist, und er meinte, dass eine Band nicht im eigentlichen Sinne ihr Land repräsentieren muss. Eine Band kann aber trotzdem das Bild über ein Land positiv beeinflussen. Schließlich sind auch wir junge Finnen und das spiegelt sich auch in der Band wider.

 

Wie empfindet ihr als Finnen Deutschland?

Riku: Das deutsche Publikum ist umwerfend!

Samu: Richtig! Ich genieße die Atmosphäre in Deutschland sehr, es ist internationaler, besonders in den Großstädten. Außerdem funktioniert alles in Deutschland, egal wo und um welche Uhrzeit, du findest immer ein „Krankenhaus“. Ich habe mir sogar schon überlegt eine Wohnung in Köln zu besorgen. Es ist auch alles viel näher, die Benelux Staaten, Frankreich und du bist viel schneller in Italien.

Was das Musikgeschäft betrifft, ist es in Deutschland viel professioneller, das ist sehr angenehm als Künstler. Es gibt immer genug Security, egal wie klein der Club ist in dem man spielt. Außerdem hat sich die „Unterhaltungsindustrie“ in Deutschland ziemlich entwickelt, besonders wenn man spät in der Nacht den Fernseher anmacht, aber (beide lachend) das verzeihen wir euch!

 

Warum seid ihr hauptsächlich im deutschsprachigen Raum so bekannt?

Samu: Das liegt an unserer Plattenfirma. Außerdem ist in Deutschland das Thema Musik-Piraterie weniger ausgeprägt als in Osteuropa, hier zahlt man noch für Künstler. Unsere Musik passt gut hierher, die deutsche und die finnische Kultur sind nicht so unterschiedlich.

 

 

Riku, ich und Samu -alle noch ein Stückchen jünger 🙂

Samu, hat das vielleicht mit deinen teilweise deutschen Wurzeln zu tun?

Samu: Meiner Meinung nach nicht, das Image der Band wird von sehr vielen Dingen beeinflusst, da ist dieser Teil nur ein sehr kleiner davon. Als wir das erste Mal nach Deutschland kamen, sprach niemand von uns Deutsch. Also ich glaube nicht, dass das ein Einfluss hatte.

 

Samu, wie war es für dich als Kind von deutsch-finnischen Eltern aufzuwachsen?

Samu: (lacht) Mein Vater fütterte mich mit Sauerkraut und meine Mutter mich mit „Mämmi“. Nein, ich finde es ist eine gute Sache, weil man von Anfang an auch andere Blickwinkel sieht. Außer dass unsere Schuhe im Flur früher besonders gerade in einer Reihe stehen mussten, hatte es wirklich gute Seiten.

 

Zurück zu eurer Musik, seht ihr euch als Band für jedes Alter, oder als Teenieband?

Samu: Nein auf keinen Fall als Teenieband! Wir sind alle selbst um die 30 Jahre alt, da kann man keine Teenieband sein. Natürlich haben eher die Jüngeren unsere Musik zuerst entdeckt, da läuft auch sehr viel über das Internet.

Riku: Ja die Teenies sind wirklich sehr aktiv.

Samu: Aber die Bandbreite an Menschen, die ich von der Bühne aus sehe, ist sehr groß. Alle Alter, Herkunft, Rocker, Frauen, Männer, kurze Haare, lange Haare, es ist einfach alles vertreten. Wir sind schließlich nicht „Tokio Hotel“, wir sind eine Band für die ganz Normalen.

 

Warum spielt ihr keine Lieder auf Finnisch?

Riku: Oh, das hat bestimmt mit meiner Jugend zu tun, ich habe einfach nur englischsprachige Musik gehört. Du doch auch Samu?

Samu: Eigentlich fast nur. Meine Idole waren alle englischsprachig. (Hält inne) Hm, es wäre bestimmt schön auf Finnisch akustische Musik zu machen. Als ich mit 16 Jahren Sunrise Avenue gründete, schrieb ich zwei Lieder auf Finnisch, aber es fühlte sich einfach nicht gut an. Ich könnte auf Finnisch gar keine Lyrik schreiben, zumindest keine schwere.

Auf Englisch kann man auch über peinliche Sachen schreiben, weil es eine viel leichtere Sprache ist.

 

Was vermisst ihr am meisten, wenn ihr nicht in Finnland seid?

Samu: Familie und Freunde! Aber wir haben Glück, wir sind immer mit einer großen Crew unterwegs, da findest du immer jemanden, wenn einem nach einem langen Tag dieses Gesicht (grinst Riku an) auf die Nerven geht.

Riku: Ja, es ist schon Schade, wenn man nicht zu Hause ist, wenn gefeiert wird.

Samu: Stimmt, wenn man sehr müde ist vermisst man Freunde und Familie. Wir waren in den letzten Monaten nur ungefähr drei Tage zu Hause, und dann -während du für den gefühlten 500. Radiosender immer die gleichen Lieder spielst- eine Nachricht bekommst „Hey, wir haben 30 Grad, sind am Strand und feiern!“, dann wäre man schon gerne dabei.

Aber man darf nie vergessen, dass wir es schätzen müssen, was wir haben, es ist keine Selbstverständlichkeit.

 

Und anders herum? Was vermisst ihr von Deutschland wenn ihr in Finnland seid?

Samu: Unser Publikum!

Riku: Oh Ja!

Was hört ihr privat für Musik, auch mal etwas Klassisches?

Samu: Ja, Finlandia ist wirklich das schönste Stück, das je geschrieben worden ist.

Riku: Es gibt schon immer Zeiten in denen ich gerne Sibelius höre, besonders die Karelia Suite.

Samu: Ansonsten höre ich gerne richtige Musik. Ich mag keinen Formatmist, bei der die Plattenfirma der Meinung ist, dass zu einer bestimmten Zielgruppe auch nur ein bestimmtes Outfit und Haarfarbe passt.

 

Wie lange spielt ihr schon eure Instrumente?

Samu (lacht): Also, ich habe heute noch vor Gitarre zu lernen! Ich bin bestimmt der schlechteste Gitarrist der bei „Rock am Ring“ gespielt hat. Ich habe mit 12 Jahren mit Schlagzeug angefangen, danach Gitarre, aber ich müsste viel mehr üben. Riku ist viel besser, er kann richtig gut Gitarre spielen, auch live.

Riku: Ich habe mit 16 Jahren angefangen, eigentlich richtig spät. Nach dem Abitur wurde es dann intensiver.

Samu: Ja, Riku ist etwas langsamer! (beide lachen) Aber wir mögen ihn, wie er ist.

 

Wir hatten die Tage eine Diskussion unter Freunden, was ist besser? Finlandia oder Koskenkorva?

Samu und Riku gleichzeitig: Finlandia!

Samu: Aber nicht nur wegen des Namens. Bei Koskenkorva geht der Verschluss so schnell kaputt und dann muss man die ganze Flasche trinken. (lacht)

 

Letzte Frage: Was sollte jeder können, wenn er nach Finnland kommt?

Riku: Vielleicht „kiitos“ oder „ole Hyvä“.

Samu: Oder eine Lebensweisheit: „Ota löysin rantein!“ (= „Nimm’s gelassen!)

 

Und dann war die Zeit auch schon um. Das Konzert am Abend war -wie alle live Auftritte der Band- der Hammer!

 

 

Fotos © #FinnlandBlog

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