Polar-Bear-Pitching in Oulu – oder wie schaffe ich es, dass Menschen im Winter nach Oulu reisen?

Weißt du, was mich immer wieder an Finnland fasziniert? Die Landschaft, ja ist traumhaft! Die gute Luft? Definitiv nicht zu verachten! Was mich immer wieder aufs Neue fasziniert, sind die Menschen und ihr Ideenreichtum. Der immer gepaart ist mit einer Portion Cleverness und noch mehr Augenzwinkern. Ich meine, wie kommt man sonst auf die Idee einen Event ins Leben zu rufen, der „Polar-Bear-Pitching“ heißt und Mitte Februar in Oulu in einem Eisloch stattfindet?

 

Eins vorweg

Dieser Event wird von der Universität und der Stadt Oulu in Form einer NPO (Non-Profit-Organisation) veranstaltet und verfolgt keine eigenen finanziellen Ziele.

Das Maskottchen des Events!
Das Besondere am Polar-Bear-Pitching Event

Hier haben die Teilnehmer alle Zeit der Welt, bzw. so viel sie ertragen: der Pitch * findet nämlich in einem Eisloch, stehend in einem Fluss, statt. Ja, richtig gelesen! So konzentriert man sich automatisch auf das Wesentliche. Länger als 2-3 Minuten hält das nämlich kaum jemand aus. Die Gewinner, bekommen neben einer Finanzspritze in Höhe von € 10.000 auch einen zweiwöchigen Aufenthalt im Silicon Valley gesponsert.

 

Der diesjährige Gewinner im Gespräch

Gewonnen hat diesmal das finnische Unternehmen virta . Dafür stieg der Deutsche Nicolai Woyczechowski zusammen mit seinem finnischen Kollegen Olli Kananen ins eiskalte Wasser. Wie das war, hat mir Nicolai erzählt.

Gewonnen! Olli (l.) und Nicolai (r.)
Hallo Nicolai, es gibt viele Pitchs, warum habt ihr euch für Oulu entschieden?

Unser Startup stammt aus Finnland, daher waren wir im November bei Slush Helsinki. Dort waren auch welche von der Polar-Bear-Pitching Organisation.

 

Bist du dazu gezwungen worden ins Eis zu steigen?

Nein, ich habe das tatsächlich völlig freiwillig gemacht.

 

Wie bereitet man sich auf so einen Pitch vor? Eislöcher gibt’s bei uns ja nicht so viele.

Wir waren im „Löyly“ in Helsinki (Anmerkung: Die große neue Designer-Sauna ganz aus Holz). Da bin ich in die Ostsee gestiegen. Mehr Vorbereitung gab es nicht.

Die Teilnehmer stehen im Eisloch
Wie läuft das alles vor Ort ab?

Alles war top organisiert und total professionell, wobei immer eine super Stimmung herrschte. Alles geschah mit einem Augenzwinkern. Alle 18 Teams hatten wirklich sehr viel Respekt vor dem Eisloch, so entstand eine sehr kollegiale Atmosphäre.

 

Ins Eisloch steigen ist ja nicht gerade ungefährlich

Stimmt. Es gab daher auch ein paar wichtige Regeln an die wir uns alle halten mussten. So durfte der Kopf aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall unters Wasser. Neben dem Eisloch saßen auch ständig Rettungstaucher, die dich im Notfall direkt aus dem Wasser gezogen hätten.

Zum Aufwärmen, ging es nach dem Pitch direkt in eine mobile Sauna oder in einen warmen Jacuzzi.

Aufwärmen!
Warum macht man das freiwillig? Wegen des Geldes oder auch wegen der PR?

Wir expandieren gerade, da unser Produkt immer stärker nachgefragt wird. Wir brauchen daher dringend finanzielle Mittel, um Mitarbeiter einzustellen. Was PR-mäßig auf uns zu kommt, konnten wir überhaupt nicht abschätzen, das stand auch nicht im Fokus. Auch waren uns die zwei Wochen im Silicon Valley sehr wichtig, wir möchten dort Kontakte knüpfen.

 

Du arbeitest für eine finnische Firma, was ist deine Erfahrung?

Ich arbeite sehr gerne mit Finnen zusammen. Meine Kollegen dort sind sehr professionell und sehr fokussiert, es gibt keine unnötigen Querelen oder Gelaber. Alle sind sehr direkt und reden nicht lange um die eigentliche Sache Drumherum.

 

Hast du schon irgendwelches Besonderes mit deinen finnischen Kollegen erlebt?

Ja klar! Man kann definitiv in der Sauna arbeiten und dort jede Menge Dinge klären und absprechen.

 

Am Ende des Gesprächs hat mir Nicolai noch verraten, dass er jetzt sogar Finnisch lernt. Ich habe das Gefühl, da ist jemand kurz davor vom Finnland-Virus infiziert zu werden! 😉

 

Wer den Auftritt von Nicolai und Olli anschauen will, hier geht’s zum Video (youtube): Video Gewinner 2017

 

 

* Pitch: bedeutet nichts anders als eine moderne Art der Präsentation. Anders ausgedrückt, könnte man es auch eine „Speed Dating zwischen Jungunternehmen und Investoren“ nennen. Oft wird dabei eine Zeit vorgegeben, beispielsweise 4 Minuten, in denen Startups erklären müssen, warum sie eine Finanzspritze verdient haben. Nicht so beim Polar-Bear-Pitching.

 

Fotos © Nicolai Woyczechowski,  Polar-Bear-Pitching Instagram
Henri Luoma Photography / www.hlp.fi

 

(Hallo, Du bist auf einem Foto und willst das nicht? Sag‘ mir bitte Bescheid!)

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