Sauna „the last digital free-zone“ oder meine Erlebnisse auf einer Bad-Messe

Was wurde schon über das „Mysterium Sauna“ alles geschrieben, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Eine wahre Wissenschaft wird da betrieben, dabei wird das Wichtigste zu diesem Thema immer wieder vergessen: Es geht nicht darum, bei welcher Temperatur man wie lange am besten sauniert, sondern nur das zu machen, was Körper und Geist guttut!

 

Finnen wissen um die unvergleichliche Wohltat der Sauna schon seit Jahrhunderten und machen -was ich sehr sympathisch finde- kaum irgendein Gedöns darum. Vielleicht liegt es genau daran, dass ich letzte Woche bei meinem Besuch auf der interbad, der Messe Stuttgart, so einiges erlebt habe und ins Grübeln kam.

 

Aber von vorne: Die interbad Stuttgart ist -laut Website- eine „internationale Veranstaltung, die sowohl den öffentlichen wie auch den privaten Bereich von Schwimmbad, Sauna und Spa anspricht“. Klingt nach weißen Kacheln und blauen Schwimmbadabdeckungen und genau so war es leider auch in den ersten Messehallen. Filteranlagen für Hallenbäder reihten sich an Massageliegen und Reinigungsmittel aller Art. Wichtige Dinge, aber ich fühlte mich hier fehl am Platze.

 

Irgendwann stand ich aber vor einem Regal voll mit kleinen Saunageistern aus Speckstein, auch eine Halterung für Würstchen war da. Ich erkannte: HIER war ich endlich richtig!

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Saunawurst -lecker aber gänzlich unbekannt außerhalb von Finnland

 

 

Weiter ging es zu einer Reihe von Saunafässern, die -wie sich herausstelle- von einem Hersteller aus Michigan (USA) stammten. Keine schlechte Idee, schließlich liegt der Staat an den Großen Seen direkt an der Grenze zu Kanada und es ist ziemlich kalt im Winter.

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Die Fässer duften herrlich nach Holz!

 

 

Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Produzent schon mehrfach in Finnland war, genau gesagt in Muurame, um dort Saunaöfen für seine Fässer zu beziehen. Begeistert erzählte er mir, dass er sogar im Winter schon in einem Eisloch geschwommen ist. Eine Erfahrung, die er mir voraus hat -Respekt!

 

An einem anderen Stand sah ich die vielleicht kleinste Sauna der Welt, sie ist gerade mal so groß wie eine Duschkabine und kann mit wenigen Handgriffen umgebaut werden. Die Beiden vom Verkaufsstand waren sehr nett und führten mir den Umbau in Windeseile vor.

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Platzsparend zusammengepackt
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So ist Platz für eine Person!

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich musste etwas schmunzeln, fragte ich mich doch ernsthaft, wer sich in eine 1-Mann Sauna wirklich reinsetzt. Aber mal ehrlich, nicht jeder (mich inklusive!) geht in eine öffentliche Sauna und so bietet diese Kabine die Möglichkeit zu Hause zu saunieren -auch in der kleinen Mietwohnung.

 

Bei einem Hersteller für feine Leinenhandtücher und Decken wurde ich zunächst vor ein Rätsel gestellt. Oder kannst du in diesem Muster irgendetwas außer Steinen erkennen? 😉

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Wenn man genauer hinschaut, erkennt man tatsächlich irgendwann das Wort Sauna -raffiniert!

 

 

An einem Stand für Thermometer belauschte ich ein Gespräch. Ein Herr suchte eine Uhr für seine Sauna. Die junge finnische Frau war höflich, aber offensichtlich sehr irritiert. Eine Uhr in der Sauna? Hatte sie es falsch verstanden oder sich verhört?

 

Das wirkliche Highlight war aber vor der Messehalle: Visit Finland hat einen vollfunktionstüchtigen Saunawagen aufgestellt! Wer wollte -und das wurde tatsächlich von manchen wahrgenommen- konnte direkt vor Ort in die Sauna!

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eine „heißere“ Marketingaktion für Finnland kann es nicht geben!

 

 

Zusätzliches Angebot für ganz Mutige war eine Moor-Behandlung.

Mit wenigen Worten wurde dann die Temperatur hochgeheizt und die Luftfeuchtigkeit erhöht.

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Freiwillige vor!
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Sieht aus wie Nougatcreme -ist aber ökozertifiziertes Moor aus Finnland

 

 

In der Bahn auf dem Heimweg gingen mir viele Gedanken und Eindrücke durch den Kopf. Ich fand die Messe wirklich sehr interessant und ich bin mir sicher, tausende von Besuchern und hunderten von Ausstellern werden mir recht geben. Es ist beeindruckend was für ein gigantischer Markt dieser doch eigentlich kleine Teil der sogenannte „Wellness“ ist.

Verstehe mich nicht falsch, ich liebe Fortschritt, ich mag neue Technologien, bin begeistert was uns die Industrie 4.0 alles ermöglicht und freue mich täglich an meinen „digitalen Gadgets“. Aber irgendwie haben wir Menschen es verlernt, auf uns und unseren Körper zu hören. Kann man wirklich annehmen, dass mit noch mehr Geräten, Messeinheiten und Hightech die verlorengegangene Achtsamkeit zurückkehrt?

Finnische Sauna ist gerne „low-tech“!

Ich denke nicht. Das ist nämlich der Unterschied zwischen saunieren, wie ich es aus Finnland kenne, und dem saunieren hierzulande. In einer finnischen Sauna braucht man nicht viel, und es gibt nur eine Regel, dass es keine Regeln gibt. Es ist egal, ob du 5, 8 oder 20 Minuten bei 60°C oder 95°C saunierst. Es ist unwichtig, ob LED-Spots die Sauna beleuchten oder nur das Feuer des Ofens Licht spendet.

Es ist auch völlig belanglos, ob du auf einem liebgewonnenen Handtuch mit Moominpappa oder einem zertifizierten Ökö-Designertuch sitzt.

Wichtig ist, dass es dir dabei gut geht und du mal wieder auf deinen Körper achtest, alles andere ergibt sich von alleine. Kehre zurück zu dir und erfahre die ursprünglichen Kräfte. Das ist „Wellness“ in Finnland!

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Sauna in Finnland

Am Ende fällt mir noch ein Satz während einer Pressekonferenz ein: „Sauna is the last digital free-zone“ und genau so sollte es sein!

 

In diesem Sinne, schalt das Smartphone aus und gehe mal wieder in Sauna. Schau‘ nicht auf die Uhr, achte nicht auf deine Orangenhaut oder den fehlenden Waschbrettbauch. Genieße die Wärme so lange und so oft, wie du willst -ohne tropischen Mango-Kokosnuss-Aufguss und du fühlst dich danach wie neugeboren!

 

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Wellness aus der Natur!

 

 

 

 

Fotos © #FinnlandBlog und visitfinland

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