Unter die Lupe genommen: Kochbuch „Die neue nordische Küche“

Juhannus steht vor der Tür und es wird Zeit, die Feier zu planen! Da ich in diesem Jahr keine Lust auf die übliche Makkara am Kokko habe, habe ich mir ein Kochbuch besorgt. Genauer gesagt, hat mein Schatz es mir geschenkt –kiitos! Da wir beide leidenschaftlich gerne kochen, wurde es gleich mal unter die Lupe genommen.

Der erste Eindruck:

Von außen sieht das Buch schon mal klasse aus, die Birkenrinde auf dem Titel verrät gleich, um was es geht. Als ich es aufschlug, kam mir tatsächlich ein wow über die Lippen: das Buch hat wirklich tolle Fotos!

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Am Anfang:

Viele Kapitel hat das Buch nicht, was ich sehr angenehm finde. Ist ja schließlich ein Kochbuch und kein historischer Roman. Man kommt gut mit Wald & Wiese, Hof & Garten und Salzwasser & Süßwasser aus. Alles andere steht im Register. Am Anfang des Buchs wird, was ich ungewöhnlich für ein Kochbuch finde, das „Manifest der neuen nordischen Küche“ zitiert. Was eigentlich nichts anderes ist, als meine Hommage an die ehrliche finnische Küche.

Beim Durchblättern:

Mir fallen direkt Rezepte wie frittierte Farntriebe, Tannenspitzenwodka und Graupenrisotto mit Rhabarberblättern auf. Auch das Rote-Bete-Knäckebrot finde ich sehr spannend und das Kopfkino geht los, bis mir auffällt, dass ich das alles noch nie im Leben in Finnland oder Skandinavien gegessen oder getrunken habe, aber es klingt sehr nordisch und richtig lecker!

Beim genaueren Hinschauen:

Trotz der vielen schönen Fotos sind nicht alle Rezepte mit einem Bild versehen. Gerade wenn es sich um etwas „exotisches“ handelt, möchte ich doch wissen wie das Ergebnis auszusehen hat. Eine Herausforderung wird es sicherlich, hierzulande an frische Moltebeeren zu kommen, und eine frische Hirschkeule ist nicht nur in Finnland eine Rarität (es sei denn, man kennt einen Jäger). Aber es gibt auch viele Rezepte, die mit Zutaten auskommen, die bei uns ohne Probleme erhältlich sind -ich will ja nicht nur meckern. Gut finde ich auch den Hinweis, dass man beim Tannenspitzen sammeln nicht einfach in den nächstbesten Wald stapfen soll, um die Bäume ihrer neuen Spitzen zu berauben.
Auch wenn das Rezept für Tomatenketchup gut ist, bleibt es mir ein Rätsel warum es in diesem Buch abgedruckt ist. Das Bärlauchpesto ist für mich nicht so besonders, das machen wir in der Saison ständig, und ich assoziiere es auch nicht mit Skandinavien.

Nachgekocht:

Dampfgegarte Farntriebe: Klingt total strange, war mir aber nicht fremd. Das habe ich schon in Freeport, Maine (USA) gegessen. Daher freute ich mich über ein Rezept, das sehr simple ist und gut funktioniert. Der Geschmack von Farn erinnert übrigens etwas an grünen Spargel.

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Vorbereitung für Dampfgegarte Farntriebe

Graved Lachs in Holunderblüten: Das habe ich total anders gemacht. Ich verwende nur frischen Lachs, im Rezept wird von TK-Ware gesprochen. Außerdem soll dieser zum Beizen in eine Plastikfolie gegeben werden, das würde ich nie machen –Weichmacher in der Nahrung will doch kein Mensch. Bei mir kommt er immer in eine Glasauflaufform und wird mit Backpapier abgedeckt. Geschmacklich war er aber sehr gut, mal anders als der übliche Dill.

Fazit:

Ein optisch schönes Kochbuch, spannende Rezepte, die auch gut abgewandelt werden können und die kulinarische Sehnsucht nach dem Land der tausend Seen stillt. Mein Tipp: Idealerweise nimmt man das Buch mit in den Urlaub, dort bekommt man eher alle Zutaten und hat im Mökki auch Zeit und Muse, lecker zu kochen. Wer das nicht will oder kann: es gibt viele Rezepte mit gut erhältlichen Zutaten, die einem Finnland und Skandinavien nach Hause in den heimischen Kochtopf bringen. Mir gefällt das Kochbuch unterm Strich sehr gut, und ich freue mich auf die nächste Runde kochen am Wochenende.

Die neue nordische Küche
Margareta Schildt-Landgren
Auflage 1, Februar 2015
Gebunden, 238 Seiten
ISBN 978-3038008385
24,90 Euro

Fotos © FinnlandBlog

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