Valtteri Bottas: Der neue im Silberpfeil

Seit Mitte Januar ist es offiziell: Valtteri Bottas übernimmt das Steuer vom überraschend zurückgetretenen Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg. Beim Antrittsbesuch Besuch im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart habe ich den Finnen getroffen. Dabei wird mir schon beim Händeschütteln klar, ein zweiter „Iceman“ ist Valtteri überhaupt nicht.

Große Fußstapfen für ein Mann aus der finnischen Provinz

Der aus Nastola, knapp 20 Kilometer östlich von Lahti, stammende Finne lächelt, ist unglaublich freundlich und für einen Finnen geradezu redselig. Dabei kann einem in so einer Kulisse schon der Atem stocken: in der sogenannten „Rennkurve“ des Museums ist alles an original Rennwagen, Trophäen, Rennanzügen und Helmen von Juan Manuel Fangio, Mika Häkkinen, Lewis Hamilton und Co. vertreten. Der Mercedes Formel 1 Rennstall konnte in den vergangenen Jahren immer den Weltmeister stellen. Die Latte hängt daher hoch, das weiß auch Valtteri Bottas.

 

große Vorbilder
Nicos Rückzug stellte alles auf den Kopf

Aber Valtteri ist zum Glück alles andere als ein Neuling. Er fuhr in den vergangenen Jahren für den Williams-Rennstall und stand bereits mehrfach auf dem Siegertreppchen, oft hinderte ihn nur das Fahrzeug an weiteren Erfolgen. Daher ging es auch recht schnell mit der ersten Anfrage, ob er das Steuer von Nico übernehmen möchte „Um ehrlich zu sein, war das noch am gleichen Tag von Nicos Rückzug. Damals wollte ich mich aber bewusst nicht freuen, die Formel 1 ist sehr schnelllebig, es passiert so viel, so viele Faktoren spielen eine Rolle“.

Im Moment ist alles noch sehr neu

Dass aber alles Realität war, realisierte er erst so richtig, als er im Beisein von Toto Wolf (Motorsportchef bei Mercedes) am 16. Januar seinen Vertrag unterschrieb. Mit seiner Unterschrift schlug er ein völlig neues Kapitel in seiner Rennkarriere auf. Viel Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen, gibt er sich aber selbst nicht: „Ich sehe dieses Jahr als eine Saison, in der ich eine Riesenchance bekommen habe. Ich will Weltmeister werde, je eher desto besser.“ Er gibt aber auch zu: „Im Moment ist alles noch sehr neu für mich. Alles hier ist so viel größer. Ich treffe jeden Tag neue Menschen, allein sich alle Namen zu merken ist wirklich nicht einfach.“

…ob man Valtteri jetzt ab und zu in der Kantine sehen wird?
Teamkollege oder Teamrivale?

Angesprochen auf das Verhältnis zu seinem neuen – und streitfreudigen – Teamkollegen Lewis Hamilton, reagiert er gelassen. „Ich respektiere meine Teamkollegen, ich habe daher normalerweise keine Probleme mit ihnen, auch wenn wir gegeneinander fahren. Ich werde mich auf meine Aufgaben fokussieren, mit und für das Team so hart arbeiten wie es möglich ist.“

Warum immer wieder Finnen bei Mercedes?

Valtteri ist nach Keke Rosberg, Mika, Häkkinen, Kimi Räikkönen und Heikki Kovalainen der vierte Finne der einen Silberpfeil fährt. Auf meine Frage, was am Deutsch-Finnischen Verhältnis so besonderes sei, weicht er fast verlegen aus. „Ich bin ja nicht wirklich der vierte, der für Mercedes fährt, früher war schließlich der britische Automobilhersteller McLaren beteiligt“.

 

Warum es so gute Rennfahrer aus Finnland gibt

Ob es an den besonderen Straßenverhältnissen in Finnland liege, dass so viele gute Rennfahrer von dort stammen, hake ich nach. Doch Valtteri erklärt mir, dass es Schnee, Eis und Schotter auch in anderen Ländern gäbe. „Das ist doch nicht typisch Finnisch“! Es liege eher daran, dass es eine sehr gute Kart-Ausbildung in Finnland gäbe, da der Sport dort unglaublich populär sei. „Da gibt es viele Wettkämpfe. Da wird man früh gefordert und lernt sich mit den anderen messen.“

 

Das Museum heißt Valtteri willkommen!
…und etwas ganz persönliches

Zum Schluss, frage ich Valtteri was ich bis jetzt jeden meiner finnischen Interviewpartner gefragt habe: „Was magst du persönlich lieber: Koskenkorva oder Finlandia?“. Valtteri schaut mich mit seinen blauen Augen an: „Koskenkorva natürlich! Schließlich ist es, im Gegensatz zu Finlandia, ein Produkt aus Finnland!“. Ich muss grinsen und bedanke mich für das Interview. Bis auf die Jungs von Sunrise Avenue, die weniger mit dem Inhalt als mit dem Verschluss Probleme hatten, haben alle genau das gleiche geantwortet.

 

In weniger als sechs Wochen steht Valtteris Feuerprobe an: Das erste Rennen der neuen Saison in Melbourne. Ich drücke ihm die Daumen, dass seine Vorbereitung reibungslos klappt und wünsche ihm viel Erfolg und eine große Portion finnisches „Sisu“!

 

#FinnlandBlog wünscht dir viel Erfolg!

Fotos © #FinnlandBlog

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