Während wir noch Mülltonnen schieben, ist die Zukunft in Finnland bereits angekommen

Sonntag: eigentlich ein Tag der Entspannung, schließlich steht schon in der Bibel „Am siebten Tag sollst du ruhen!“. In der Realität sieht das leider schon lange anders aus und daran hat -zumindest dort wo ich wohne- die Müllabfuhr, die am darauffolgenden Tag kommt, einen erheblichen Anteil. Denn: den ganzen lieben langen Sonntag schiebt meine liebe Nachbarschaft, alle individuell und einzeln, ihre Mülltonnen auf die Straße, egal wie viel Inhalt darin ist. Gerolle und Gepolter den lieben langen Tag. Das ließ mich ins Grübeln kommen, muss das denn so sein? Und wie wird das eigentlich in Finnland gehandhabt? Denn auch in diesem weniger glamourösen Bereich lohnt es, sich mal hoch in den Norden zu schauen.

Deutschland entsorgt Müll wie im 18. Jahrhundert

Wir schreiben das Jahr 2017: Wir sind alle mobil, agil und flexibel. Gearbeitet wird dort, wo es eine Internetverbindung gibt und erreichbar sind wir 24/7. Soweit alles normal, wäre da nicht eine Sache, die wir noch immer so bewerkstelligen, wie zu einer Zeit, in der Gottlieb Daimler noch nicht das Automobil erfunden hat.
Richtig! Ich rede von unserer Müllentsorgung! In Deutschland scheint in diesem Bereich die Zeit stehen geblieben zu sein. Alle schieben wir brav -wie im Müllkalender vorgesehen- in einem bestimmten Turnus unsere Tonnen auf die Straße und zurück. Aber schon mal darüber nachgedacht wie sinnvoll und effektiv das ist? Wie viel unnötige Kilometer der schwere Müllwagen fährt und dabei Abgase rausbläst? Wie viele Tonnen bewegt werden müssen, obwohl es nicht nötig wäre? Das ist doch so rückständig wie Gutenbergs Buchletter versus Siri! Denn es geht in der Tat auch anders.

 

Dass es auch fortschrittlicher geht, sieht man in der Hauptstadt von Finnland

In Helsinki werden in immer mehr Stadtvierteln moderne Recyclingstationen an Wohnanlagen errichtet. Die Station erkennt, dass eine bestimmte Person berechtigt ist, Müll zu entsorgen -beispielsweise durch einen Chip am Schlüsselbund- und die Behälter lassen sich öffnen. Die Kartoffelschalen und alles andere gelangen so an eine unterirdische zentrale Sammelstelle und können vom Entsorgungsunternehmen an einer außerhalb gelegenen Station entnommen und ordnungsgemäß entsorgt, bzw. recycelt werden. Wenn es nicht diese modernen Sammelstellen mit externer Entnahme gibt, werden immer häufiger Müllcontainer mit Chips ausgerüstet, die feststellen, wann eine Entleerung notwendig wird. Die Daten werden an das Entsorgungsunternehmen weitergeleitet, die Wege der Müllwagen entsprechend optimiert, Emission und Lärm dadurch vermieden. Voila so einfach kann es sein!

 

Jede Menge Vorteile

Das ist das Ende der Armada an hässlichen, oft übelriechenden Mülltonnen, die wir alle ständig im Blickfeld haben und meistens nur mit angehaltenem Atem passieren können. Da diese Behälter festverschlossen sind, ist es auch vorbei mit stinkenden Hinterhöfen, die zum Eldorado für Waschbären, Füchse und Co. geworden sind. Sehr schnell merken die Kerlchen, dass sie sich nicht mehr an unseren Nahrungsresten bedienen können und ziehen sich in ihre natürlichen Lebensräume zurück. Der LKW-Verkehr in Wohngebieten nimmt ab. Lärm, Feinstaub und Abgase können erheblich reduziert werden.

Hier entsteht der Entsorgungsschacht im neuen Wohngebiet in Jätkäsaari

Finnland ist in der Zukunft bereits angekommen

Also, schauen wir doch ab und zu nach Finnland und denken dabei nicht nur an Sauna, lauschige Sonnenuntergänge und Nordlichter, sondern auch an ein modernes Land von dem wir so einiges lernen können, während wir -wie Gott gegeben- unsere Mülltonnen schieben und -dank unserer Medien- Angst vor der „Datenkrake“ haben.

 

Für alle die es ganz genau wissen wollen, habe ich hier einen weiterführenden Link zu Helsinki Smart Region und zu einer Illustration wie genau der Müll entsorgt wird Kalasatama

 

Fotos © #FinnlandBlog

 

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