Warum Finnland das Land der Zukunft ist!

In diesem Jahr feiert die Republik ihr 100-jähriges Bestehen. Dabei ist das Land im hohen Norden alles andere als altbacken – ganz im Gegenteil! Finnland ist kein Land, das sich auf bereits Geleistetem ausruht und sieht daher Innovationen als Chance und nicht als Gefahr. Woran liegt das?

 

In Finnland waren die Umweltbedingungen schon immer strenger als in anderen Breitengraden. Wer nicht schaut wo er bleibt, blieb auf der Strecke. Früh mussten Bewohner daher Überlebensstrategien immer weiterentwickeln und sich zusätzlich politisch und wirtschaftlich auf wechselnde Begebenheiten einstellen. Das hat Land und Leute geprägt und die Fähigkeit verliehen Chancen zu erkennen und zu nutzen.

 

Während hier im Land seit Jahren keine großen Infrastrukturentwicklungen mehr stattfinden (oder nie fertig werden, siehe BER), neue Bahnhöfe vom Volk nicht gewollt sind und Schulkinder in maroden Gebäuden von ausgelaugten Lehrer mehr schlecht als recht unterrichtet werden, hat sich Finnland – ohne viel Aufsehens zu machen – daran gemacht, zukunftsfähig zu sein.

 

1. Schnelles Internet im ganzen Land

Bis vor einem Jahr hatte ich hier in meinem Kaff – 20 Autominuten entfernt von der Landeshauptstadt Stuttgart – ein Internetanschluss von 0,1 Mbit/s (das ist kein Schreibfehler!). In unserem Land hängt man der Entwicklung und dem Breitbandausbau um Lichtjahre hinterher und droht den Anschluss zu verlieren.

Ganz anders in Finnland: Dort hat man vor vielen Jahren schon die Chancen erkannt und frühzeitig Weichen für eine flächendeckende Breitband-Versorgung geschaffen. Es gibt sogar ein „Recht auf Internet“. So ist es auch im entlegensten Winkel des Landes möglich, online zu gehen, und das mit einer Geschwindigkeit die schwindelig macht. Wir reden dabei vom Gigabit-Bereich!

 

2. Intakte Umwelt

Zunehmende Umweltverschmutzung ist fatal. Menschen erkranken, Tierarten sterben aus und sauberes Wasser und Nahrung wird ein immer knapperes Gut. Langfristig wird das unser aller Leben beeinflussen. Aber warum tun sich manche mit dem Umweltschutz schwerer als andere?

Wer schon einmal in Finnland war, merkt schnell, dass Finnen ihr Land samt Flora und Fauna lieben – auch wenn es im Winter verdammt dunkel und kalt ist, und der viel zu kurze Sommer von Stechmücken und zurückhaltenden Temperaturen geprägt ist. Für Finnen gibt es kaum etwas Schöneres als irgendwo im Nirgendwo in ihrem Mökki zu sein, im Wald frische Beeren und Pilze zu sammeln und frischen Fisch aus dem See zu ziehen. Und was man liebt, das schützt man. Finnland hat deshalb die saubersten Gewässer Europas, dreiviertel des Landes ist von Wald bedeckt und Feinstaubalarm ist ein Fremdwort. Das sind ideale Lebensbedingungen für Jung und Alt.

 

perfekte Bedingungen
3. Ausgezeichnete Bildung

In Finnland hat man früh erkannt, dass Bildung der wertvollste Rohstoff des Landes ist. Lehrer – ganz anders als hier – haben eine hohe soziale Stellung. Eltern mischen sich weniger ein (Stichwort „Helikopter-Eltern“) und Schüler haben ein enges und fast freundschaftliches Verhältnis zu ihren Lehrern. In den Schulen wird nach jedem einzelnen Schüler geschaut, niemand wird zurückgelassen, sondern wird nach seinem individuellen Niveau gefördert, aber auch gefordert. Kinder haben die gleichen Chancen, unabhängig vom Bildungsniveau der Eltern. In Klassenräumen werden moderne Techniken schneller eingeführt als bei uns, und das Thema „Finnland schafft die Schreibschrift ab!“ hat hier zu mehr Aufregung geführt als in Finnland selbst.

 

Bildung muss nicht immer grau sein!
4. Sprachfähigkeit

Es gibt 5,5 Millionen Finnen, gemessen an der Gesamtbevölkerung unseres Planeten ist das eine äußerst geringe Anzahl. Zusätzlich ist die Finnische Sprache nicht wirklich die einfachste. Daher lernt jeder Finne frühzeitig weitere Sprachen, in der Regel Englisch. So können sich die meisten Finnen in allen Ecken unseres Planeten verständlich machen, mit Kollegen weltweit kommunizieren und im eigenen Land internationales Publikum willkommen heißen.

 

Weltoffenes Helsinki!
5. Offenheit für Neues

Finnen wissen, dass ihr Land nicht der Nabel der Welt ist. Das ist zwar schade, aber nun mal Realität. Jetzt könnte Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sich problemlos damit abfinden. Das tun die meisten aber nicht. In Finnland wird sehr genau verfolgt, was in anderen Ländern los ist. Diese Fähigkeit über den Tellerrand zu schauen ist vielleicht einer der wichtigsten Eigenschaften überhaupt.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Aus rein beruflichen Gründen (das möchte ich hier ausdrücklich betonen!) wohne ich seit gut zehn Jahren in der Gegend rund um Stuttgart. In diesen Jahren höre ich nur, was nicht möglich ist: Es gibt keinen längst überfälligen Nordostring, es gibt keinen Ausbau des völlig überlasteten ÖPNV und es gibt, trotz längst im Bau befindlich, noch immer Demonstrationen gegen den neuen Bahnhof. Es werden Wände aus Moos aufgestellt und neuerdings sollen Dieselfahrzeuge im Stadtgebiet verboten werden, um den Feinstaub einzudämmen. Bei all diesen politisch begründeten Aktionismus fehlt aber eins: Die Fähigkeit über den Tellerrand zu schauen und zu erkennen, dass ein großer Wurf dringend nötig ist.

Wie ist das in Finnland? In Helsinki wurde in den letzten Jahren das größte Bauprojekt der Stadtgeschichte gestartet, weil man erkannt hat, dass immer mehr Menschen immer urbaner werden und Infrastruktur geschaffen werden muss.Daher entstehen gerade neuer Wohnraum und Infrastruktur für rund 45.000 Menschen. Dabei wird auf moderne Anforderung in Sachen Mobilität, Nachhaltigkeit und sozial gesellschaftliche Entwicklungen größten Wert gelegt. Ohne die Fähigkeit der Selbsthinterfragung und der Offenheit, sich auf Neues einzulassen, wäre das nicht möglich. Da könnte sich so mancher hier in unserem Land eine Scheibe davon abschneiden.

 

Neue Stadtteile

 

 

Fotos © visitfinland und #FinnlandBlog

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