Wie ein blaues Fahrrad einem Claude Monet näherbringt!

Am zweiten Tag in Tampere stand Kultur auf dem Programm: Besuch von gleich zwei Museen! Eigentlich nicht das, was man an einem perfekten finnischen Sommertag unbedingt machen will, aber ich musste mich eines Besseren belehren lassen: es war überraschend schön, kurzweilig – und daran ist zu einem großen Teil ein blaues Fahrrad „schuld“!

 

Kunst auf dem Land

Ehrlich? Ich hatte vor diesem Tag noch nie von einem Ort namens Mänttä gehört. Oder du vielleicht? Immerhin ist diesem kleinen Ort seine Abgeschiedenheit wohl bewusst und er wirbt selbstironisch mit dem Slogan „Kommen Sie ruhig von weiter her!“. Fakt ist: Mänttä liegt nordöstlich von Tampere, grob Richtung Jyväskylä, und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts -ohne jemanden zu nahe zu treten- ziemlich unbedeutend. Dann aber beschloss 1868 ein Herr Gustaf Serlachius eine Papierfabrik an den dortigen Stromschnellen zu errichten. Das Unternehmen lief nach Startschwierigkeiten so gut, dass der Gründer und dann sein Neffe Gösta – der das Unternehmen nach ihm leitete- sich ihrer Liebe zur Kunst widmen konnten. Früh unterstützten sie einheimische Künstler und sammelten Gemälde und Kunstobjekte. Einer der Serlachius Schützlinge war übrigens niemand geringeres als Akseli Gallen-Kallela: einer der bedeutesten finnischen Maler, besonders bekannt durch seine Illustrationen des Kalevalas (finnisches Nationalepos).

rechts das ehemalige Anwesen, links der moderne Holzanbau (etwas im Schatten um diese Tageszeit)

 

Vom Kunstmäzen zum modernen Kunstmuseum

Die Kunstsammlung wurde über die Jahre immer größer und wurde mittlerweile in eine Stiftung umgewandelt. Ursprünglich diente nur das ehemalige Anwesen der Familie als Ausstellungsraum, mittlerweile wurde nebenan ein modernes Gebäude (ganz aus Holz!) errichtet und auch noch das ehemalige Verwaltungsgebäude der Papierfabrik zum Museum umgewandelt. So kommt man in der finnischen Abgeschiedenheit in den Genuss -neben einem original Claude Monet- von feinster finnischer und skandinavischer Kunst. Werke von Helene Schjerfbeck, den bereits genannten Akseli Gallen-Kallela, Hugo Simberg, Eero Järnefelt, Victor Westerholm und Magnus Enckell. Moderne Kunst (keine Angst, nichts Abgefahrenes!) gibt es in der regelmäßig wechselnden Ausstellung und im Außenbereich verschiedene Illustrationen sowie eine kleine Museumsinsel.

Der Beweis: es gibt dort wirklich einen original Claude Monet!

 

Blaues Fahrrad

Und hier kommt endlich das Fahrrad ins Spiel! Da die Orte des Geschehens doch etwas weiter auseinanderliegen, hat sich die Stiftung etwas wirklich Cleveres ausgedacht: es gibt kostenfrei blaue Fahrräder, die geländegängiger sind als sie aussehen! Mit diesen Drahteseln fährt man die knapp zwei Kilometer durch wunderschöne Landschaft, vorbei an einer der ältesten Tennisplätze Finnlands und der örtlichen Kirche. Man kann auch zu Fuß gehen, ein Ruderboot mieten oder den Shuttle benutzen, aber die Räder sind echt kultig!

Die blauen Fahrräder sind kostenfrei und echt kultig!

 

Kunst und Kulinarik

Nachdem ich alles über den „Papierteufel“, moderne Kunst, eine zum Nachdenken animierende Ausstellungen, Illustrationen und Kiefern, die sich als Birken tarnen, gehört und betrachtet hatte, hatte ich nur noch eins: Hunger und Durst! Und da wurde ich wieder überrascht. Ich habe -entschuldige meine Wortwahl- saulecker gegessen! Was Chefkoch Henry Tikkanen im Gösta Restaurant zaubert ist Nordic Cuisine par excellence! Meine Güte war das lecker! Sorry, ihr denkt jetzt ich wäre für diese Zeilen bezahlt worden. Nein, bin ich definitiv nicht! Es hat mir einfach nur sehr, sehr gut geschmeckt und wenn das so ist, dann kann man das auch unverblümt schreiben! Übrigens: wem es dort zu nobel ist: man kann da locker mit Freizeitkleidung rein; schließlich sind wir in Finnland! Außerdem gibt es noch ein Sommer-Restaurant in einem schönen alten Holzhaus auf dem Göta Museumsgelände sowie Kaffee und Kuchen im Gustaf Museum.

*hmmm* war das lecker! Alle Zutaten „made in Finland“!

 

Helle Nächte und Pläne für den nächsten Tag

Nach dem ungefähr fünften Kaffee an diesem Tag -ein untrügliches Zeichen, in Finnland zu sein– war meine Zeit in Mänttä auch schon vergangen und der Shuttlebus fuhr pünktlich zurück nach Tampere. Am Bahnhof abgesetzt, kaufte ich mir noch etwas zu trinken (kein Kaffee!) und lies den Rest des Tages -und das ist um diese Jahreszeit sehr lang- wieder am Ufer des Tammerkoski ausklingen. Ich schmiedete Pläne für den nächsten Tag und machte unendlich viele Fotos von der hellen Nacht. Finnland im Sommer -es gibt doch nichts Besseres!

 

Zurück in Tampere und den Sommer genießen!

 

Informationen und Adressen

Gösta Museum (das ehemalige Anwesen, moderner Anbau und das Restaurant)
Joenniementie 47
35800 Mänttä

 

Gustaf Museum (Geschichte der Serlachius und Kaffee)
Erik Serlachiuksen katu 2
35800 Mänttä

 

Gemeinsame Website, auch fürs Restaurant

Serlachius Museot

 

Eintrittspreise

(für Gösta und Gustaf Museum)
Erwachsene 10 €
Pensionäre 7 €
Studierende 7 €

Es gibt Kombi-Tickets für Shuttle und Eintritt (siehe unten)

 

Anreise

Mit dem PKW oder vom Hauptbahnhof in Tampere mit dem Shuttlebus.

(kleine blaue Busse mit dem Museums-Logo drauf, man kann wirklich nicht in den falschen steigen und in Mäntää auch nicht, es fährt dort nichts anderes 🙂 )

So sehen die Shuttlebusse aus!

Fahrplan und Preise

Der Bus fährt pünktlich, die Fahrt dauert fast 1,5 Stunden und es gibt keine Zwischenstopps. Es gibt Kombi-Tickets für Shuttle und Eintritt.

Info und Fahrplan Shuttlebus

 

 

 

Danke an das Päivi, Esa und alle vom Serlachius Museum, dass ihr mich so freundlich und herzlich beherbergt habt! You are all doing a great job, I’ll be back 😊

 

 

Fotos © #FinnlandBlog

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